She looks good in Ribbons
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„Trenne nie ST, denn es tut ihm weh.“ Einfache Merksätze, wie diese werden uns bereits in jungem Alter beigebracht, um uns das Leben zu erleichtern. Relativ schnell lernen wir, niemals Eltern zu fragen: „Habt ihr eigentlich gehört, wann ich heute Nacht nach Hause kam?“
Doch gibt es denn auch Tabufragen, die Beziehung betreffend? Ich sage „ja, eindeutig JA“
Neulich, es ist schon einige Monate her, lagen mein Freund und ich nebeneinander. Unter der Decke nichts als unsere Haut, in der rechten eine Zigarette, die andere Hand irgendwo unauffindbar in den Kissen vergraben.
Mein Blick schweifte entspannt, nein, sogar seeehr entspannt durch das Zimmer, blieb an der einen oder anderen unsichtbaren Unebenheit der Wand hängen, während ich in Gedanken gerade meinen morgigen Tag durchging.
Und plötzlich, verbotenerweise und wie immer ohne Vorwarnung erreicht der Klang der Stimme meines Freundes meine Ohren. An dem Klang habe ich nichts auszusetzen, jedoch an der Fragestellung.
„Was denkst du gerade?“
Urgs.
Abgebrühte Menschen, die schnell eine passende Ausrede finden, werden natürlich zu einer passenden Antwort greifen.
Ich jedoch bin nur eine Frau, die gerade geplant hat, sich morgen doch mit der besten Freundin zu treffen, um einige grundlegende Frauendinge zu bereden.
Ich spüre, wie mein Blick hastig durchs Zimmer gleitet. Die Entscheidung, was ich nun sagen soll, ist schwer. Ich wiege das Risiko ab, welches die Wahrheit birgt: Womöglich Streit.
„Wie? Was?“, frage ich, lediglich um Zeit zu schinden.
„An was denkst du gerade?“, fragt er und lehnt sich gegen mich. Sein bohrender Blick erwartet eine Antwort.
Mir ist immer noch nichts eingefallen und ich weiss nicht, was ich sagen soll. Ich denke gerade an morgen, an Susanne und an das, was wir morgen bereden. Alles, was dich nicht so viel angeht, oder ich mit dir nicht bereden will.
Ausgeschlossen, die Wahrheit kann ich ihm in jenem Moment nicht antun. Also tue ich genau das, was ich immer schon konnte: Zeit schinden und diskutieren. „Wie meinst du das?“, frage ich und meine Taktik heisst: Blöd stellen.
„Naja, was geht dir gerade durch den Kopf?“, sagt er und berührt mein Köpfchen.
„Warum willst du das wissen?“, frage ich. Mist, die erste Taktik hat nicht funktioniert.
„Weil es mich interessiert.“, sagt er und lächelt. „Verrat mir schon, was ist es denn?“
Hmpf. Er ist unschuldig wie die aufgehende Sonne und ich fühle mich doch schlecht. Gleichzeitig verfluche ich das Timing der Herren, die patout immer in jenem Moment fragen, wenn sie der Hoffnung sind, dass die Antwort ihre Person ist. Niemals fragen sie dann, wenn man wirklich an sie denkt.
Ich lächle, versuche, mit Charme aus dieser Situation zu kommen.
„Warum verrätst du es denn nicht? Es ist bestimmt etwas schweinisches.“
Hmm naja – so kann man es nicht nennen. Zumindest eines stimmt: Es hat nichts mit Kuschelsex zu tun.
Ich drücke ihn an mich, schwitze Blut, Wasser und Angst und versuche, das Thema zu wechseln.
„Sags mir doch.“, raunt er, der Hoffnung nahe, eine erotische Geschichte zu hören.
Dieser Satz sollte eigentlich auch zu den Tabuthemen einer Beziehung gehören. Denn in genau jenem Moment, wo die Frage gestellt wird, denkt man sowieso nur: „Wie komm ich da wieder raus.“
Meine unschuldige Sonne beginnt mich zu streicheln, küßt mich und flüstert mir ins Ohr: „Hmm bestimmt denkst du jetzt gerade daran, dass ich dich verführe ...“
„Ja.“, stöhne ich, und das ist nicht einmal gelogen, und freue mich, dass ich wieder einmal heil aus dieser Sache gekommen bin.
„Trenne nie ST....“ und „Frag niemals, was der andere denkt.“ – warum lernt man diese Dinge nicht in der Schule, die dich eigentlich aufs Leben vorbereiten soll.
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