She looks good in Ribbons
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Niemals nicht hätte ich mir vorstellen können, jemals etwas von einem anderen Menschen anzunehmen, was sein Körper von sich gibt.
Zu nahe lagen die Erinnerungen an die herzhaften feuchten Schmatzern von Eltern, Geschwistern, Tanten oder Onkeln, die natürlich sofort mit dem Ärmel des Pullis und lautem „Bäh, Igitt, Pfui, Wäh“ von der Wange weggewischt wurden. Auch die Fürsorge der mütterlichen Seite, die soweit reichte, dass in ein Taschentuch gespuckt wurde, um etwaige Schmutzflecken aus meinem Gesicht zu bekommen, wurde mit großer Widerrede, oder je nach anwesenden Personen, mit hochrotem Kopf geduldet. In meiner „Selbsthilfegruppe für Kinder von Müttern“, der Fachbegriff für das allseits gegenwärtige Wort „Freunde“ habe ich dann erfahren, dass diese Angewohnheit wohl in den Genen aller Mütter steckt.
Doch die Zeiten ändern sich, genauso wie die Ansichten. Natürlich ändern sich auch Mütter, und so wird heute anstatt eines Taschentuches lediglich ein kleiner Handspiegel gezeigt und gesagt: „Du hast da auf der Stirn einen Fleck.“ Wahrscheinlich, so meine eigene Theorie, die leider noch nicht belegt wurde, aber auch noch nicht widerlegt wurde, entschwinden ab einem gewissen Alter der Mütter diese Gene aus ihrem Körper. Vielleicht steckt dahinter auch nur ein Hormon, dass sich ab einem gewissen Alter wieder zurückbildet und Taschentücher nicht mehr zweckentfremdet, sondern lediglich dafür benutzt, wofür es auch gedacht ist: Um gewisse körpereigene Säfte aufzufangen und sie nicht auf anderen Körpern zu verschmieren. Mit ziemlicher Unwahrscheinlichkeit hat es etwas mit einem permanent fehlendem Waschbecken in der Öffentlichkeit zu tun.
Nun, die Diskussion „Schlucken oder Spucken“ reicht wahrscheinlich in meinem Alter weit zurück in die Vergangenheit, denn bereits als ich meinen ersten Porno, verbotenerweise - ich gestehe - , gesehen habe, habe ich mich gefragt, was daran so toll ist. Natürlich hat mir geekelt davor, aber ich war damals auch der Meinung, dass sich die beiden Frauen, die sich so schön oral befriedigt haben, sich gegenseitig Schmerzen zufügen, was mir schon einige Tränen in die Augen gejagt hat. (Na gut, ich geb’s zu: Ich bin aufgesprungen und hab gerufen: „Die tut der doch weh!“ Ich mußte danach allerdings bedrückt feststellen, dass niemand im Raum, weder Männlein noch Weiblein meine Meinung teilten und wir nicht sofort zu einem Aufmarsch für die Aktion „Befreit die Pornostars“ aufbrachen. Aus diesem Grund gibt es eine derartige Organisation heute nicht. Warum dies nicht passierte, kann ich bis heute nicht sagen. Ein Indiz ist vielleicht das Gejauchze und Gestöhne, welches die Frau so von sich gab. Auch der Gesichtsausdruck, der sehr entspannt war, ist ein weiteres Zeichen, dass ich mich eventuell, aber mit ziemlicher Unwahrscheinlichkeit geirrt habe.)
Die ersten Erfahrungen und Studien in diesem Bereich fanden aufgrund meines scheuen-schüchternen Wesens ein jähes Ende, sobald es daran ging, das männliche Geschlecht in die Hand zu nehmen. Bis zum Reißverschluß wagte ich mich tapfer vor, doch als es dann ans „Eingemachte“ ging, mußte ich immer ganz plötzlich nach Hause. An dieser Stelle ein herzliches Danke an meine gute Phantasie, die mich immer um 17 Uhr mein Mittagessen einnehmen ließ und in den Ferien für die morgige Klausur lernen ließ.
Aber, jeder traut sich irgendwann einmal in den Wald, vor dem er die ganze Zeit Angst hatte, und ich bin ein sehr neugieriger Mensch, weshalb sich das männliche Geschlecht im wahrsten Sinne des Wortes nicht sehr lange vor mir verstecken mußte.
Irgendwann habe ich es gefunden. (Wäre ich jetzt nett, könnte ich für all jene, die nicht wissen, wo es sich befindet, eine Landkarte hier lassen. Doch ich bin nicht so nett, weshalb die Landkarte bei mir zu Hause liegt und hoffentlich irgendwann in 100 Jahren gefunden wird, um den Menschen eine neue Erkenntnis zu bringen. Vielleicht kann ich so meinen Nachahnen helfen, wie sie das männliche Geschlecht finden. Ich selber finde es nämlich toll. 5 Mark für die Wortspielkasse, oder?)
Gut, ich gebe zu, die ersten Versuche waren mehr oder minder lächerlich und von der Angst geschürt, da könnte was rauskommen, was mir nicht schmeckt, oder noch schlimmer: Da könnte was rauskommen, was da nicht hinein gehört, oder noch schlimmer: Da könnte was rauskommen, was definitiv nicht in meinen Mund gehört. Und so stoppte ich immer nach einiger Zeit und überließ mich selbst dem Mann. Naja irgendwann ist es passiert. Mein erster Freund, von dem ich mehr erfahren habe, als nur Farbe und Muster seiner Boxershorts drückte mich mit meinem Kopf ziemlich fest in seinen Schoß. Einmal einatmen und schon war das männliche Geschlecht da, wo der Mann es haben wollte. Und danach noch schnell, Hand drauf und abwarten. Meine Güte, war das damals spannend. Ich hatte wirklich Herzrasen, und vor lauter Schreck habe ich den Mund ganz weit aufgemacht, so dass alles, was der gute Kerl mir gegeben hat, sich wieder fein säuberlich in seinem Schoß verteilte.
Ich hatte kaum etwas geschmeckt, das mußte ich mir ja eingestehen.
Einige Zeit später, ich war gerade in der Phase, wo ich danach lebte: „Den Freund glücklich machen, egal, welche Folgen das für dich hat.“, und ich wußte, dass er auf „schlucken“ mehr steht als auf „spucken“, lieferten wir uns wieder ein feines Schäferstündchen.
Ich hatte zuvor einen Porno gesehen, auch verbotenerweise, mehr aber um zu sehen, wie die Frauen das da so machen (Mittlerweile hatte ich akzeptiert, dass Pornostars nicht befreit werden müssen. Das war eine schwere Erkenntnis, denn so hätten die Pornostars heute ihre eigene Gewerkschaft.). Ich legte mich also lässig zwischen seine Beine und begann mit dem, was Mann so auf die Palme bringt. Ich mußte wirklich meinen ganzen Willen zusammenraffen, um meinen Mund nicht zu öffnen. Er kam ziemlich heftig, so dass mein Mund bald voll war mit dem klebrigen Zeug. Vor lauter Schreck und Angst, es wieder auszuspucken, hab ich es geschluckt. Tapfer, mit einigen Verzweiflungstränen in den Augen habe ich ihn angesehen, ehe ich wie von der Tarantel gestochen aufsprang und zum Wasserhahn lief, um diesen unmöglichen, ekligen Geschmack aus meinem Mund zu bekommen.
Die nächste Zeit, bis wir unsere Beziehung beendeten, habe ich das französische Problem mit Coca Cola gelöst. Sowie der gute Kerl gekommen war, bekam ich seltsamerweise immer einen heftigen Durst.
Der nächste Freund mußte aufgrund dieser Erfahrungen auf die französische Belagerung verzichten. Da aber auch die Spanier und Griechen auf sich warten ließen, war es ziemlich langweilig für den armen Mann, der sich nur mit Missionaren mit Löffeln, Reitern oder Hunden zufrieden geben musste. Wir alle wissen, dass diese kleinen Volksgruppen zwar sehr schön und nett sind, aber so ein paar Spanier, Griechen oder Franzosen drunter geben dem Ganzen natürlich einen gewissen gesellschaftlichen Pep. (nochmal 5 Mark für die Wortspielkasse, oder?)
Dann kam er auch schon, der der sich Markus nennt. Markus hat mir ziemlich schnell klar gemacht, dass er die französische Mundart liebt, wenngleich dies, aufgrund des Kalibers meines Freundes, meist mehr einem Kampf der Geschlechter ähnelte, und sich etwaige Zuschauer sicherlich fragen mußten, was ich mit dem armen Mann vorhabe. Wenngleich auch mein Mund sehr gross ist, so paßt er nicht hinein, und auf einem geheim gedrehten Video (geheim deshalb, weil nur wir beide etwas davon wußten, und dieses bis heute noch nicht den Weg ins Netz gefunden hat, weder durch uns, noch durch Einbrecher), hätte man meinen können, ich sei eine Schlange, die verzweifelt versucht, ihre übergroße Beute irgendwie in den Rachen zu bekommen.
Irgendwann hatte ich dann auch den Trick heraus, jedoch nie den Mut, es bis zum Ende durchzustehen. Immer, wenn ich bemerkte, dass ich noch Halt machen könnte, habe ich schnell aufgehört und ihn anderweitig beschäftigt. Aber, ich habe ja keinen dummen Freund und er läßt sich auch nicht gerne zum Narren halten. Aus diesem Grund hat er längst meine Abneigung gegen „schlucken“ bemerkt und sprach irgendwann sehr unverblümt das Thema an.
Mein hochroter Kopf verriet ihm auch, dass ich bisher nicht sehr viel Erfahrungen darin gesammelt hatte, wahrscheinlich sogar weniger, als ich anfangs vorgegeben habe. (Ja, das ist richtig! Die Pubertät, so meine Theorie, schüttet gewisse Hormone aus, die aus einem immer viel machen. So wird aus einem Kuß ein Exzeß. Diese Hormone, so meine Theorie, werden im Laufe der Zeit immer weniger. Im Alter von 18 bis 19 Jahren schüttet dann der Körper bei manchen das Gegenhormon aus. Dadurch wird es bei manchen ausgeglichen, oder aber es überwiegt dann dieses Gegenhormon. So wird aus einem Exzeß plötzlich nur ein einfacher Kuß nach dem Motto „oooch da war nichts, war nur...“ Es kann natürlich auch an dem riesigen Ego-Existenzproblem liegen, an dem man während seiner Pubertät leidet, und eben unbedingt auch den geilen Vierer, der natürlich in Wirklichkeit nur ein Kuss mit einem Mann, bei dem drei andere Typen zugesehen haben, war, erleben. Im späteren Alter wünscht man sich meist, man hätte einen Typ nur geküßt und die anderen drei hätten wirklich nur zugesehen.)
Eines Abends passierte es dann. Er hat sich ziemlich zusammengerissen, damit ich nicht bemerke, dass er kommt. Gleichzeitig lag seine Hand auf meinem Kopf, sodass ich nicht zurück konnte. Und schon hatte ich es im Mund. Vor lauter Schreck mußte er kurz meine Zähne spüren, aber wer so hinterhältig ist, hat nichts anderes verdient.
Und dann war es da in meinem Mund, und ich mußte feststellen, dass es gar nicht mal so eklig schmeckt. Im Gegenteil, es schmeckte salzig, und süß. Die Konsistenz war etwas seltsam, fast, als würde man Handcreme im Mund verteilen.
Und mit einem Schlucker war es unten. Tapfer lächelte ich (das hatte ich immer noch aus einem Porno, mittlerweile habe ich mir dieses doofe Grinsen abgewöhnt, weil es wirklich unerotisch ist.) und verspürte kein Bedürfnis, auch nur in die Nähe eines Waschbeckens zu kommen. Markus küsste mich, sofort. Daher nahm ich an, dass er selbst weiß, wie er schmeckt, denn ich schmeckte nach ihm.
Meine ganze Theorie, dass nun jeder Mann eklig schmeckt, war mit einem Mal über den Haufen geworfen. (Das war eine ziemliche Katastrophe für mich, denn schliesslich wollte ich mit dieser Theorie in die Wissenschaft einsteigen. Nun musste ich mein Leben neu ordnen und andere Wege gehen.) Da gab es ja doch zumindest einen, der mir schmeckte. Ich wurde neugierig und aufgrund unserer offenen Beziehung hatte ich die Möglichkeit, auch noch seinen besten Freund zu „verkosten“, während wir ein gemütliches Dreier-Schäferstündchen abhielten (frei nach dem Motto: „oooch da war nix, das war doch harmlos, das war doch nur ein kleiner Kuss“. Das liegt an dem riesigen Existenzverleugnungsproblem, unter dem die meisten Erwachsenen leiden. Es zwingt sie förmlich dazu, jüngere Personen, oder Personen, von der sie der Meinung sind, sie könnten sie nicht verstehen, anzulügen und alles so harmlos wie nur irgendwie möglich darzustellen.). Oh, noch einer, den ich stundenlang auslöffeln könnte. Es wurde für mich schon fast obskur.
Und dann kam die Erkenntnis in Form von Erfahrungsberichten und Biologie: Jeder Mann schmeckt anders.
Mist. Da gab es wohl schon jemand vor mir, der diese Studien betrieben hat. (Die von mir verfaßten wissenschaftlichen Berichte landeten augenblicklich im Mülleimer. Ich resignierte und schlug eine neue Karrierelinie ein, auf einem Gebiet, das ich bis dato noch für unerforscht halte. Aus diesem Grund weiss ich selbst nicht, welches Gebiet das ist.)
Es ging noch weiter: „Es ist davon abhängig, was der Mann zuvor gegessen und getrunken hatte.“
Ich überlegte. Heureka! Mein erster „verkosteter“ Mann hat sich ausschließlich von Alkohol, Cola und Fleisch ernährt. Markus fügte dieser Liste noch einige weitere grundlegende Lebensmittel hinzu, sodass vor allem Alkohol und Cola weit nach hinten rutschten und zur regelmäßigen Rarität wurden.
Heute schlucke ich mehr als ich spucke. Zugegeben, zweimal habe ich es von Markus ausgespuckt, aber auch nur, weil ich mich verschluckt hatte. Das passiert eben, wenn man zu gierig wird und unter dem ständigen Druck lebt, auszutesten, wieviel Mann in den Mund passt.
Unwahrscheinlich liegt es bestimmt daran, wenn Frau gerade bei Grundbedürfnissen gleichzeitig atmet, schluckt und denkt!
Jeder Mann schmeckt und riecht anders. Doch alles in allem kann ich sagen, dass es meist den Geschmack einer Avocado ähnelt. „Spucken oder Schlucken“ muss jeder für sich selbst auslegen und entscheiden (Tipp: entweder ganz dezent wieder zurücklaufen lassen, frei nach „Back to the roots“ oder aber im Mund behalten und nach einem Tempo greifen. Aufspringen und zum Waschbecken laufen ist nicht so nett.).
Doch niemand sollte spucken, ehe er nicht mindestens zweimal geschluckt hat. Wir kennen ja das Sprichwort: „Was der Bauer (wahlweise Bäuerin) nicht kennt, frißt er nicht.“ – Dummerweise lernt der Bauer (wahlweise Bäuerin) so mit Sicherheit keine neuen kulinarischen Spezialitäten kennen, die vielleicht dem leckeren Geschmack einer reifen Avocado ähneln. Schade, oder?
Sollte dich aber ein Mann dazu zwingen, Avocados zu essen, obwohl du keine magst, dann frag ihn doch mal, ob er selbst schon gekostet hat. Vielleicht kann er dann deine Abneigung verstehen, oder aber er wird in Zukunft schlucken, was du ausspuckst.
Und sollte irgendwann sich mal jemand bei dir beschweren: „Meine Freundin mag kein französisch.“, so vergewissere dich, ob die Freundin auch weiss, was französisch ist. Viele halten es vielleicht doch noch für das schicke nette Restaurant, indem alles mit viel Zwiebeln und Knoblauch zubereitet ist. Im Übrigen sollte man Zwiebeln und Knoblauch nicht essen, wenn man danach ein kleines Gespräch in französischer Mundart pflegen will. Denn Avocado mit Zwiebeln oder Knoblauch sind eine Zumutung und wäre ein Fall für „Befreit die Pornostars“, wenn es diese Aktion überhaupt geben würde. Ach, und übrigens sehen es die Pornostars immer kommen, wenn das Sperma ins Auge geht, anstatt in den Mund. Aber das ist eine andere Geschichte.....
So – wieviel schulde ich nun der Wortspielkasse?
Veröffentlicht 2003 in den Schlagzeilen
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